Der Kammermusik im Quadrat widmen wir eine eigene kleine, aber feine AboReihe. Das musikalische Zentrum dieses Zyklus im Kleinen Saal ist unser hauseigenes, hochgeschätztes Viktoria Quartett. Ergänzt wird die Reihe durch Kolleginnen und Kollegen der BoSy in unterschiedlichen Zusammensetzungen und illustre Gäste.

Große Vielsaitigkeit

Klassiker mit Flügel
Bevor das f-Moll-Klavierquintett, sicher eines der gewichtigsten Kammermusikwerke der klassisch-romantischen Epoche, seine endgültige Gestalt erhielt, existierte es zuvor in zwei anderen Fassungen: einmal als Streichquintett – das der Freund und Geigenvirtuose Joseph Joachim zwar für »ein Stück von tiefster Bedeutung« hielt, es aber wegen »zu großer Schroffheiten nicht öffentlich produzieren« wollte – zum anderen als »Sonate für zwei Klaviere«, die Brahms seiner geliebten Clara Schumann schickte. Auch sie reagierte zwiegespalten: »das Werk ist so
wundervoll großartig, aber es ist keine Sonate, sondern ein Werk, dessen Gedanken Du wie aus einem Füllhorn über das ganze Orchester ausstreuen könntest« und animierte Johannes Brahms zur letztgültigen Kompromissfassung beider Versionen als Klavierquintett. Hier orchestrale klangliche Opulenz, dort der »edle« Kammermusikanspruch mit filigraner Satztechnik – von dieser Spannung lebt das außergewöhnliche Werk.
Das Streichquintett in C-Dur von Franz Schubert entstand im Jahr 1828, nur wenige Monate vor seinem Tod. Es gilt als Höhepunkt seines späten Schaffens und wird oft als musikalisches Vermächtnis verstanden. Das Werk zeichnet sich durch eine außergewöhnliche emotionale Spannweite aus: Der erste Satz verbindet kraftvolle Themen mit lyrischen Passagen, während das berühmte Adagio zu den ergreifendsten langsamen Sätzen der Musikgeschichte zählt – geprägt von ruhiger Schönheit und dramatischen Ausbrüchen. Im Scherzo zeigt sich eine energische, fast symphonische Kraft, während das Finale die Zuhörer mit tänzerischer Leichtigkeit und zugleich unterschwelliger Melancholie entlässt. Für unser Konzert ist dieses Werk die ideale Wahl, denn mit seiner ungewöhnlichen Besetzung (statt der üblichen zwei Bratschen setzt Schubert zwei Violoncelli ein) markiert es auch einen Abschied – und einen Neubeginn: Philipp Willerding-Bach verlässt das Viktoria Quartett, dem er seit seiner Gründung angehört hat, und musiziert hier gemeinsam mit seinem Nachfolger Christof Kepser.
